Reiskirchen
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Die Kirche zu Reiskirchen


Die Kirche in Reiskirchen ist zweifelsohne das älteste Gebäude des Dorfes. Das Jahr ihrer ursprünglichen Erbauung ist unbekannt. Nur der frühere Name Reiskirchens „Richolfskirchen“ erlaubt eine Vermutung, dass sie ursprünglich von einem Mann namens Richolf erbaut wurde. Der älteste Teil des Kirchengebäudes ist die Kapelle mit dem Glockenturm. Das später daneben gebaute zweistöckige Wohnhaus diente zunächst als Lehrerwohnung und wurde 1651 mit der Kapelle verbunden.

Die große Glocke im Turm wurde 1537 von Conrad Göbel in Frankfurt am Main gegossen und verrichtet demnach schon seit mehr als 460 Jahren ihren Dienst. Die zweite kleinere Glocke entstammte der Glockengießerei L. Rinker in Asslar (von 1596). Diese zersprang 1882 und wurde im selben Jahr von Georg Hamm in Kaiserslautern umgegossen. Sie trug folgende Inschrift: „753 Gott allein die Ehre“. Während des ersten Weltkrieges wurde die kleine Glocke beschlagnahmt und 1920 durch eine neue Glocke ersetzt. Die neue Glocke trägt die Inschriften: „Gegossen in Sinn (Dillkreis) 1920 von F. W. Rincker Nr. 1956 – Verleih uns Frieden o Jesu“ und „Weil uns der Weltkrieg die Schwester genommen, bin ich an ihre Stelle gekommen“.

Bis 1800 wurden alle in Reiskirchen tätigen Pfarrer in der Kirche beerdigt. Eine große rote Sandsteinplatte bedeckte das Grab vor dem Altar. Als die Kirche 1949 komplett renoviert wurde, entfernte man die Grabplatte, um einen neuen Steinbodenbelag zu legen. Der gesamte Boden unter der Platte war so „mulmig“, dass man einen Stock bis zu zwei Meter tief hineinstecken konnte. Die Gebeine von vielen Pfarrern sind mit den Särgen dort vermodert.

In der Kirche bzw. Sakristei befinden sich drei Gedenktafeln von den hier tätigen Pfarrern Dünch (gestorben 1605), Rüdinger (gestorben 1712) und Geiler (gestorben 1730). Die Inschriften blicken zum Teil in Gedichtform auf das Lebenswerk der drei Pfarrer zurück.

Die Orgel ist 1817 in Melbach (Wetterau) als gebrauchte Orgel gekauft worden. An ihr sind die Jahreszahlen 1779 und 1781 zu lesen. Das angehängte Pedal ist später von dem Orgelbauer Eichhorn aus Weilmünster angebracht worden.

An der Kirchhofsmauer zur Niederwetzer Straße (Kirchgasse) steht in einem Stein gehauen die Jahreszahl „anno 1614“. In diesem Jahr ist wahrscheinlich die Kirchhofmauer errichtet worden. Möglicherweise war der Stein auch Teil des sogenannten Narrenhäuschens, das zu früherer Zeit eine Art Haftzelle darstellte. Es war ein gewölbtes Häuschen mit einer Kette und einem Halseisen darin und wurde, nachdem es lange Zeit schon nicht mehr seinen Zweck erfüllte, 1830 abgerissen.

Der Kirchhof diente früher auch als Friedhof. Der jetzige Friedhof am Webersgarten wird seit 1909 als letzte Ruhestätte in Reiskirchen genutzt. In grauer Vorzeit sollen die Toten aus Reiskirchen und auch aus anderen umliegenden Ortschaften im Siebenmühlental begraben worden sein. Die 1927 freigelegten Grundmauern der Teutburgbasilika sowie die Flurbezeichnung Leichenschoß erinnern heute noch daran.

Das vor der Kirche stehende Kriegerdenkmal für die in den Weltkriegen gefallenen Soldaten wurde 1920 aufgestellt. Es wurde von dem Bildhauer W. Götze aus Darmstadt hergestellt und kostete damals aufgrund der fortschreitenden Inflation 1.800.000 Mark. Das Denkmal wurde am ersten Pfingstfeiertag (20. Mai 1920) eingeweiht. Die Kollekte betrug an diesem Tag 143.000 Mark.

Vor nicht allzu langer Zeit standen am Eingang des Kirchhofs zwei Lindenbäume, die im Jahre 1880 gesetzt wurden. Sie mussten mittlerweile gefällt werden (ein Bild der beiden Bäume finden Sie auf der Web-Seite der Fotofreunde Reiskirchen - Button "Dias" - "Bilder alt-neu"). Die große Linde im alten Pfarrhof, die heute das Dorfbild von Reiskirchen prägt, wurde 1888 gesetzt.

Das jetzige alte Pfarrhaus mit seinen Wirtschaftsgebäuden ist 1706 erbaut worden, da das frühere Pfarrhaus bei dem großen Brand 1706 zerstört wurde. Erbauer des Anwesens, das sich heute in Privatbesitz befindet, war Fürst Johann Ernst zu Weilburg. 1938 wurde dann das jetzige Pfarrhaus erbaut. Daneben befindet sich heute das Gemeindezentrum, welches 1963 eingeweiht wurde.

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